Wie köstlich ist ein digitaler Kadaver?
Das Netz und die neue alte Utopie von einer kollektiven Kunst
Vortrag, gehalten am 11. 01. 1997 im Rahmen des 10. Stuttgarter Filmwinters, Stuttgart,
09. 01. - 12. 01. 1997
Das Netz ist nicht nur Ort, sondern auch Medium der Kunst. Als solches scheint es Interaktivität, Partizipation und Kooperation nicht nur zu fördern, sondern auch zu fordern. "Medialität" und Zusammenarbeit anstelle künstlerfürstlicher Autorschaft - ein Spannungsfeld in dem ihrerzeit bereits die Surrealisten experimentierten. Nicht von ungefähr wirken viele der Netzprojekte, die "Kunst zum Mitmachen" anbieten, wie Wiederaufnahmen des surrealistischen Cadavre Exquis. Häufig bleibt dabei das Netzpotential einer nonlinearen, rhizomatischen Produktion ungenutzt, werden lediglich Texte und/oder Bilder aneinandergereiht, und letztlich stellt sich angesichts des kollektiven Kreativitätsrausches einmal mehr die Frage, ob gerahmte bunte Bilder (Frames) immer schon Kunst sein müssen. Schliesslich: Wieviel Kollektivität kann (Netz-) Kunst überhaupt vertragen? Immerhin bietet sich das Netz auch jenseits des digitalen Kadavers für künstlerische Kooperationen an. Wie schon in den Intermedia, finden wir auch im Bereich der "neuen Medien" neben dem Typus eines modernen Universalkünstlers und den multimedialen Arbeiten von einer Hand das künstlerische Kollektiv, die Gruppe, die aus verschiedenen Bereichen heraus zusammenarbeitet.
Verena Kuni: Wie köstlich ist ein digitaler Kadaver? Das Netz und die neue alte Utopie von einer kollektiven Kunst, digitalisierte Version, auf: CD-ROM Konfigurationen zwischen Absturz und Wirklichkeit. Materialien zur Tagung "Konfigurationen. Zwischen Kunst und Medien" (Kassel, 04. 09. - 07. 09. 1997) / Beilage zur Buchpublikation Konfigurationen. Zwischen Kunst und Medien, Hrsg. Sigrid Schade-Tholen/Christoph Tholen, München 1999
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© verena kuni 1997