Benutzeroberflächen und Betriebssysteme.
Ausstellungsdisplays webbasierter Kunst
Anfang der neunziger Jahre waren die Präsentation und Vermittlung von webbasierter Kunst zunächst noch weitgehend eine Domäne selbstorganisierter Gemeinschaften, Initiativen und Netzwerke wie The Thing oder Ädaweb, die einerseits im Netz aktiven Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform boten, andererseits aber auch spezifische Designs für den Zugang zu den einzelnen Arbeiten entwarfen. Dementsprechend wurden Displays entwickelt, die sich keineswegs allein hinsichtlich des Designs ihrer "Benutzeroberflächen" unterscheiden, insofern diesem neben dem Programmiercode stets auch konzeptuelle Setzungen zu Grunde liegen.
Mittlerweile sind nun welt- bzw. WWW-weit immer mehr Museen und Ausstellungshäuser mit eigenen Homepages ans Netz gegangen, in deren Rahmen längst nicht mehr nur Informationen bereitgestellt, sondern auch verschiedene Umgangsweisen mit dem "Format Ausstellung" erprobt werden. Hierbei fliessen sowohl am Selbstverständnis der Institution und ihrer Sammlungs- bzw. Ausstellungspraxis ausgerichtete Kriterien ein, als auch Orientierungen an aktuellen Entwicklungen im Bereich des Webdesigns und der online-Präsentation. Zugleich hat auch eine Reihe von Institutionen, die sich mit zeitgenössischer Kunst beschäftigen, Versuche unternommen, webbasierte Kunst in ihre Sammlungen einzubeziehen, im Rahmen von Ausstellungen zu präsentieren oder auch eigene Sonderausstellungen ins Netz zu stellen. Die Vorzeichen, unter denen diese Aktivitäten stehen, sind aber wiederum ebenso unterschiedlich wie die Positionen, die webbasierter Kunst in diesem Zusammenhang zugewiesen werden.
Ziel des Projekts ist es, einen Überblick über die Entwicklungen von den neunziger Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart geben. Vor- und zur Diskussion gestellt werden dabei nicht nur eine Reihe exemplarischer Ausstellungs- und Vermittlungskonzepte, die in diesem Zuge entwickelt und realisiert worden sind. Interessieren muss vielmehr auch, wie Künstlerinnen und Künstler, die in und mit einem Medium arbeiten, das selbst in mehrfacher Hinsicht 'Display' ist, ihrerseits mit dem "Format Ausstellung" und den mit ihm verbundenen Setzungen umgehen.
Nicht zuletzt wird danach zu fragen sein, unter welchen Voraussetzungen und Bedingungen sowie mit welchen Ergebnissen und Konsequenzen hier unterschiedliche "Betriebssysteme" überhaupt miteinander kompatibel zu machen sind.
Publikationen u. a. zum thematischen Radius
netz.kunst. Jahrbuch des Institutes für Moderne Kunst Nürnberg 1998/1999, Hrsg. in Zusammenarbeit mit dem Institut für Moderne Kunst Nürnberg, Nürnberg 1999
Das Frankfurter Kreuz, unter Netzbedingungen betrachtet. Ein Baustellenbericht aus dem WeltWeiten GeWerbegebiet, in: Frankfurter Kreuz. Transformationen des Alltäglichen in der Zeitgenössischen Kunst, Hrsg. Annette Tietenberg, Ostfildern-Ruit 2001
sowie: www.frankfurterkreuz.net [deceased] online-Segment der Ausstellung "Frankfurter Kreuz. Transformationen des Alltäglichen in der zeitgenössischen Kunst"
Schirn Kunsthalle Frankfurt/M., 16. 06. bis 12. 08. 2001 (in Zusammenarbeit mit aspekt1, Frankfurt a. M.)
Der Widerspenstigen Zähmung. Webbasierte Kunst im etablierten Ausstellungsbetrieb, in: Kunst-Bulletin, Nr. 11, November 2001
Eine Arena der Repräsentation, in: Webfictions. Zerstreute Anwesenheiten in elektronischen Netzen, Hrsg. Manfred Fassler/Ursula Hentschläger/Zelko Wiener, Wien/New York 2003
siehe auch / else see:
Projekte und Publikationen: Institutionen, Verfahren und Orte der Kunst / projects and publications: institutions, modes and locations
Projekte und Publikationen: Elektronische Kunst, Netzkultur / projects and publications: electronic arts, net culture
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