AG Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts


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Programme der AG

Die AG Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts ist eine Arbeitsgruppe der Sektion Frauenforschung des Ulmer Vereins e.V.

Geschichte und Programm der AG Künstlerinnen
(Irene Below / Sigrid Schade, 1996)

Schwerpunkt Professionalisierung
(Carola Muysers, 1998)

Initiativpapier zur AG-Reform
(Ellen Thormann / Ines Lindner / Ute Vorkoeper / Verena Kuni, 1999)


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Geschichte und Programm der AG Künstlerinnen (Irene Below / Sigrid Schade, 1996)

AG Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts in der Sektion Frauenforschung im Ulmer Verein für Kunst- und Kulturwissenschaften

Die von Irene Below und Margarethe Jochimsen gegründete AG hatte im Laufe ihres Bestehens eine wechselnde Anzahl von Teilnehmerinnen (Künstlerinnen, Kunstwissenschaftlerinnen und Kunstvermittlerinnen), es hat sich jedoch ein fester Kern von ca. 20-30 Interessentinnen herauskristallisiert, die sich mehr oder weniger regelmäßig zweimal im Jahr auf der Basis freiwilliger Planung und Vorbereitung Einzelner getroffen haben, meistens anläßlich einschlägig interessanter Ausstellungen und Veranstaltungen. Bisher gab es 14 Treffen an verschiedenen Orten, in Bonn, Bielefeld, Frankfurt, Berlin, Hamburg, München, zu den Ausstellungen "Künstlerinnen des 20.Jahrhunderts" in Wiesbaden 1990, zur documenta in Kassel im Juni 1992, zu "eigen art ost frau" und "Getting to kNOw you - sexual insurrection and resistance" im Dezember 1992 in Berlin, zu "Dialogue with the Other", Odense Juni 1994 und zu "Andere Körper - The body of Gender" in Linz, September 1994. 1992 löste Sigrid Schade Margarethe Jochimsen als eine der Sprecherinnen ab.

In der Einladung zum ersten Treffen der Arbeitsgruppe im März 1989 anläßlich der Ausstellung "Das Verhältnis der Geschlechter" im Kunstverein Bonn wurden drei mögliche Aufgabenfelder definiert, die bislang den Schwerpunkt der Arbeitsgruppe bildeten:

1- Die Aufarbeitung, Sicherung und Dokumentation der Arbeiten von Künstlerinnen, besonders aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts;
2- Organisation von Kooperationen und Konfrontationen mit zeitgenössischen Künstlerinnen;
3- Entwicklung von Strategien und Projekten, um die Marginalisierung von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlerinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im öffentlichen Kunstbetrieb zu unterlaufen.

Zu 1:
Die feministische Forschung und die entsprechenden Ausstellungsprojekte der letzten zehn bis zwanzig Jahre hatten zur Genüge gezeigt, daß Bekanntheitsgrad und Ausstellungswürdigkeit von Künstlerinnen Probleme darstellen, die mit den Mitteln der Kunstinstitutionen oder besser deren Unterlassen erst erzeugt werden: Bestände sichern, dokumentieren, Kontexte erforschen, Archive anlegen etc. gehören zu den Basics der musealen Arbeit, die im Fall von Künstlerinnen seltener geleistet wird. Dies trifft besonders die Künstlerinnen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelebt und gearbeitet haben, zu einer Zeit also, in der die Kunstwelt Frauen, die sich in diesen Bereich begaben, immer noch als Ausnahmen ansahen, obgleich sie gerade an den Avantgarde-Bewegungen der zehner, zwanziger und dreißiger Jahre einen großen Anteil hatten.
Die Bestandssicherung der Arbeiten dieser Künstlerinnen muß auch deshalb jetzt geleistet werden, weil einige noch selbst leben oder unmittelbare Erben, und weil die Nachlässe in Gefahr sind, zu verschwinden, wenn Museen oder Archive sich nicht dafür interessieren. Wie dramatisch die "Entdeckung" und "Rettung" eines Werks von Künstlerinnen in hohem Alter verlaufen kann, hat der Fall von Hella Guth gezeigt. Ihre Arbeiten wurden von Irene Below in den Kontext des Kieler Projektes "Ich bin nicht ich, wenn ich sehe" eingebracht. Hella Guth starb kurz danach in Paris, und die Tatsache, daß Kontakte nach Bielefeld und Kiel bestanden, bewahrte vermutlich die Künstlerin vor einem anonymen Armengrab und ihren Nachlaß vor der Müllkippe.
Mitglieder der AG haben bei verschiedenen Treffen ihre Forschungen zu weiteren Künstlerinnen insbesondere aus der ersten Hälfte des 20. Jh. vorgetragen - so haben z.B. Katharina Sykora über Ella Bergmann-Michel, Ellen Thormann über Tamara de Lempicka, Hildegard Reinhardt über Martha Hegemann und Birgit Thiemann über Maria Lassnig, Anja Cherdron über Bildhauerinnen der 20er Jahre berichtet. Ein wichtiges Ziel der AG ist es in diesem Kontext geworden, Magister- oder Doktorarbeiten über Künstlerinnen der anzuregen und für Thesen und Ergebnisse ein Diskussionsforum zu bieten.
Das bislang größte Projekt der AG in diesem Feld war die von Kunstwissenschaftlerinnen aus Ost- und Westdeutschland bereits vor der Wende geplante Tagung "Die Utopie der 'Neuen Frau' - eine Herausforderung für die Medien in der Weimarer Republik", die vom 24.-27. 9. 1992 in Schloß Petzow, Brandenburg stattfand. Auf der Arbeitstagung ging esnicht nur um die Darstellung und Selbstdarstellung einzelner Künstlerinnen in den zwanziger Jahren, sondern den Umgang mit dem Bild der Garconne auch in den Massenmedien Film, Foto und Journalismus. Der Versuch, die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Epoche und die "neue Frau" aus Ost und West darzustellen, führte zu einem Austausch zwischen Kunstwissenschaftlerinnen aus dem Westen und dem Osten, den alle Beteiligten als besonders geglückt empfanden. Die Ergebnisse der Tagung sind inzwischen veröffentlicht: Katharina Sykora, Annette Dorgerloh, Doris Noell- Rumpeltes, Ada Raev (Hg.): Die Neue Frau. Harausforderung für die Bildmedien der zwanziger Jahre, Marburg 1993.

Zu 2 und 3:
Bereits während der Kunsthistorikerinnen-Tagung 1988 in Berlin und anläßlich der Ausstellung und des Symposiums "Das Verhältnis der Geschlechter" in Bonn 1989 war deutlich geworden, daß es bislang nur wenige Kontakte zwischen zeitgenössischen Künstlerinnen und Kunstwissenschaftlerinnen gab, und daß die Formulierung gegenseitiger Erwartungen kein Forum hatte. Aus diesem Mangelbefund heraus entsstand u.a. das Kieler Projekt "Ich bin nicht ich, wenn ich sehe". In seinem Konzept sah es vor, daß eine kleine Gruppe von Kunstwissenschaftlerinnen und Künstlerinnen jeweils zu zweit ein Jahr lang im Austausch stehen sollten, der schließlich in eine Ausstellung mündete. Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Paaren und die Ausstellung selbst sind dokumentiert in dem Band: Theresa Georgen, Ines Lindner, Silke Radenhausen (Hg.): "Ich bin nicht ich, wenn ich sehe. Dialoge - Ästhetische Praxis in Kunst und Wissenschaft von Frauen, Berlin 1991.
Die "Rede" über Künstlerinnen wurden auf zwei Treffen in Berlin 1993 und in Frankfurt 1994 aus unterschiedlichen Perspektiven behandelt. Auf dem von Ingrid Wagner- Kantuser in Berlin organisierten Treffen ging es um Künstlerinnen- und Künstlergespräche, um die Methode offener Interviews und deren Tücken, um die Mythen, die die KünstlerInnen bzw. die InterviewpartnerInnen konstruieren (müssen?).
In Frankfurt diskutierten wir in einem von Katharina Sykora und Karola Gramann abgesteckten Rahmen anhand unterschiedlicher Filme über Frida Kahlo über Möglichkeiten und Schwierigkeiten, durch Video und Film das Leben und die Arbeiten/die Arbeit von Künstlerinnen zu vermitteln.

Die Treffen der AG sind für alle Interessentinnen offen. Die Themen, die bei den Treffen angesprochen werden, wechseln in Absprache mit den Teilnehmerinnen zwischen Auseinandersetzungen mit jeweils konkreten Anlässen wie Ausstellungen oder vorher vereinbarten Vorträgen zu Themen, an denen einzelne/mehrere AG.Miglieder arbeiten bzw. interessiert sind.

Über die zu Beginn angeführten Punkte hinaus ist die AG ein Austauschort für Informationen geworden zu unterschiedlichen die Themen der AG betreffende Aktivitäten im In- und Ausland (Ausstellungen, Tagungen, Veröffentlichungen) sowie über Vorhaben und Tätigkeiten einzelner Mitglieder (Dissertationsthemen, Lehr- und Vortragsveranstaltungen, Ausstellungsprojekte, Publikationen). Insbesondere zur Unterstützung zeitgenössicher Künstlerinnen oder für die Konzeption von Ausstellungsprojekten im Kontext feministischer Fragestellungen gab und gibt es eine Reihe von Aktivitäten Einzelner im Rahmen der ihnen jeweils zugänglichen Institutionen.

Auf dem bisher letzten Treffen der AG im Dezember 1995 in München begannen wir anhand von Thesenpapieren eine erneute Diskussion über das Selbstverständnis und die Arbeit in der AG. Diese Diskussion soll auf einem Treffen während der 2. Sektion der Kunsthistorikerinnentagung in Tübingen /11.-14. April 1996) weitergeführt werden.
Es bleibt zu hoffen, daß die Vernetzung innerhalb und außerhalb der Kunstinstitutionen und Universitäten weitergeht und dadurch auf die Dauer immer mehr Projekte möglich werden, in denen sowohl die Mitglieder der AG als auch ihre inhaltlichen Interessen vertreten sein können. In diesem Zusammenhang wurde 1993 in Graz auf der letzten IAWA-Tagung (d.i. die International Association for the Arts, in der die Sektion Frauenforschung mit der AG Mitglied ist) eine elektronische Vernetzung ins Auge gefaßt. Bei einem für Mai 1995 geplanten workshop über Mailboxen soll die Einrichtung eines Frauen-Kunst-Bretts konzipiert werden. Das Thema Künstlerinnen-Archive ist für ein weiteres Treffen im Herbst 1996 voraussichtlich in Berlin geplant.

Von den AG-Treffen werden Protokolle angefertigt, die der letzten Treffen können bei den Koordinatorinnen angefordert werden. Interessentinnen wenden sich an die Sprecherinnen derAG.

Irene Below, Sigrid Schade (Publiziert in metis 9, 1996, S. 89-92)


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Schwerpunkt Professionalisierung (Carola Muysers, 1998)

"Die AG versteht sich als Forum, in dem sich KunstwissenschaftlerInnen aus verschiedensten Berufsbereichen und Künstlerinnen treffen und austauschen können. Unser Programm sieht zwei Treffen im Jahr vor. Diese Veranstaltungen finden in Form von Symposien, Workshops und freien Diskussionsforen statt. Wir widmen uns dem Thema der bildenden Künstlerin, genauer gesagt ihrer Professionalisierungsgeschichte,die im Zeitalter der Aufklärung einsetzte und bis heute die unterschiedlichsten Stadien durchlaufen hat. Mit dieser Themensetzung möchte die AG der bislang immer noch viel zu geringen Beachtung der Künstlerinnenfrage im universitären und musealen Bereich entgegenwirken. Entsprechend sollen Diskussion und Austausch auf praktischer Ebene wie theroetischer Ebene geführt, ja es sollen Praxis und Theorie auf bereichernde Weise miteinander in Einklang gebracht werden".

Carola Muysers (Publiziert auf der CD ROM Frauennetz, Februar 1998)


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Initiativpapier zur AG-Reform (Ellen Thormann / Ines Lindner / Ute Vorkoeper / Verena Kuni, 1999)

Initiativpapier AG "Künstlerinnen im 20. Jahrhundert" (2.11.1999)

1. Wünsche und Ziele
Wir verstehen die Arbeit in der Gruppe als ein Entwicklungsprojekt und die AG als ein Forum für neugierige und engagierte Frauen, um vielfältige Interessen Interpretationen und Verknüpfungen von zeitgenössischer Kunst, aktueller feministischer Theorie und Vermittlungsarbeit zu verhandeln.
Grundsätzlich sollten alle AGlerinnen Interesse daran haben, ihre aktuellen Projekte, Arbeitsansätze und Publikationen zur Information oder Diskussion einzubringen.

2. Arbeitsschwerpunkte der AG
Wir halten eine gewisse Grenzwertbestimmung für notwendig, die ein gemeinsames und verbindendes Interesse deutlich macht. Arbeitsschwerpunkte der AG sind: zeitgenössische Kunstpraxis, feministische Theorie und aktuelle Vermittlungskonzepte. Diese Konzentration schließt die Bezugnahme auf historische Positionen nicht aus. Sie werden dort, wo es sinnvoll erscheint, aufgegriffen, bleiben aber nachgeordnet, genauer: eine Folge der Auseinandersetzung mit Kunst und Theorie des 20. und bald des 21. Jahrhunderts.

3. Verschiebung der Mitgliederstruktur
Eine Öffnung der AG für Künstlerinnen und Kunstvermittlerinnen, Kuratorinnen und Kritikerinnen wäre wünschenswert, um neben den bisherigen zentralen Arbeitsfeldern - Information und Austausch - auch die Konzeption und Realisation von Projekten - Veranstaltungsreihen, Symposien, Ausstellungen - zu ermöglichen und zu erleichtern.

4. Vernetzung via e-mail ist Bedingung
Die Vernetzung via e-mail erlaubt nicht nur schnelleren Austausch über Neuigkeiten, sondern ermöglicht vor allem eine schnelle und offene Diskussion heißer und strittiger Themen, an der sich alle Vernetzten bei Interesse und Bedarf problemlos beteiligen können.

5. Internetpräsenz
Neben Kurztexten zum 'Selbstverständnis' der AG, (Selbst-)Porträts der AGlerinnen, Arbeits- und Lektüreproben sollen hier verschiedene Foren eingerichtet werden: a) aktuelle Ankündigungen, b) aktuelle Lektüren und Rezensionen, c) Forum 'brennende Themen' / Diaries; d) Diskussionsforum und Kontaktbörse für Konzepte; d) Archive und Links

6. Namengebung und Statuten
Beides sollte nicht übereilt werden. Wir haben Zeit für Diskussionen.

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Verena Kuni, Ines Lindner, Ellen Thormann, Ute Vorkoeper

Kontakt:
kuni@uni-trier.de
lindner@hdk-berlin.de
ellen.thormann@uni-bielefeld.de
utevorkoeper@compuserve.com


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Last Update: 20. 03. 2000