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trans:fictions
Übertragungen, Übersetzungen, Überschreitungen

XI. Fachtagung in der Reihe interfiction
im Rahmen des 21. Kasseler Dokumentarfilm und Videofests

Kassel, 12. 11. - 14. 11. 2004

Konzipiert von Verena Kuni
Organisation und Realisation in Zusammenarbeit mit
Karsten Asshauer und Anders Turge Lehr
sowie mit Gerhard Wissner und Wieland Höhne/Filmladen Kassel e.V.

 

interfiction.org

Konzept

Kontakt


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interfiction XI

trans:fictions. Übertragungen, Übersetzungen, Überschreitungen

Transfer [lat.-engl. Übertragung, Überführung]
1. Zahlung ins Ausland in fremder Währung
2. Übertragung der im Zusammenhang mit einer bestimmten Aufgabe erlernten Vorgänge auf eine andere Aufgabe
3. Überführung, Weitertransport [...]
Transformation [lat.] Umwandlung, Umformung, Umgestaltung, Übertragung

Im Zusammenhang mit Medien wird der Begriff der Übertragung mit größter Selbstverständlichkeit benutzt. Vorzugsweise, um die Übermittlung einer Botschaft von einem Ort zum anderen zu bezeichnen: Denkbar schlicht und scheinbar neutral suggeriert er, die Basis-Tätigkeit des Mediums schlechthin zu beschreiben: Radio-Übertragung. Fernseh-Übertragung. Übertragung per eMail. File Transfer Protocol...
Aber ist es wirklich so, dass Medien im Moment der Übertragung ihre Botschaft sind, ohne diese zu verändern? Oder verhält es sich eher umgekehrt, dass nämlich die Botschaft mit dem Medium verschmilzt und sich dessen Dispositiven unterwirft? Wenn dies der Fall sein sollte: Sind Übertragungsfehler und Störungen im System dann eine Chance, etwas mehr über Übertragungen zu erfahren? Können Interferenzen, lücken- oder fehlerhafte Übersetzungen von Codes, Artefakte produktive Potentiale entwickeln?

Translation [lat.-neulat.]
1. Übertragung, Übersetzung
2. Trope
3. geradlinige, fortschreitende Bewegung
4. Feierliche Überführung der Reliquien eines Heiligen an einen anderen Ort [...]

Was passiert überhaupt, wenn man die Botschaft eines Mediums in ein anderes übersetzt?
Auch diese Frage lässt sich kaum allein unter technischen und techno-logischen Vorzeichen beantworten. Schließlich gibt es neben dem 'medientechnischen' Übertragungsbegriff noch andere mögliche Assoziationen, die sich medientheoretisch und –praktisch fruchtbar machen lassen. Beispielsweise dockt derjenige der Übertragung wohl kaum zufällig an magische Vorstellungen an, die sich sowohl in der Metaphorologie der Medien als auch in den Erwartungen, die sich an Übertragungsleistungen von Medien knüpfen, widerspiegeln. Welche kulturellen Codes werden hier transportiert? Was können uns die Rhetoriken des Transfers über "Übertragungsleistungen"" und Projektionen eines "kulturellen Unbewussten" verraten?

Übertragungen von einem System auf bzw. in ein anderes setzen, so sollte man jedenfalls meinen, Kompatibilität voraus. Aber was steckt dahinter, wenn unter Medien- bzw. Netzbedingungen Systeme miteinander kompatibel gemacht werden, die ansonsten nur schwer aneinander anzuschließen scheinen bzw. deren Schnittstellen eher sorgsam verschleiert werden - wie beispielsweise die Systeme der "Kunst" und der "Ökonomie"? Welche Rolle spielen Medien in diesem Zusammenhang? Welche Vorteile verspricht eine "Zahlung in fremder Währung"? Lässt sich hier auch auf Lerneffekte hoffen? Mit welchen Reibungsverlusten ist bei Übersetzungs- und Übertragungsfehlern zu rechnen, die aufgrund von Inkompatibilitäten nicht zu vermeiden sind?

Transgression [lat. Überschreitung]
1. Vordringen des Meeres über größere Gebiete des Festlands
2. das Auftreten von Genotypen, die in ihrer Leistungsfähigkeit die Eltern- u. Tochterformen übertreffen ...

Das Stichwort "Inkompatibilität" weist nicht zuletzt auch darauf hin, dass Übertragungen Überschreitungen darstellen bzw. als solche wahrgenommen werden können: Wenn sie nämlich etwas in ein System einbringen, das in diesem System als Störung wirkt. Ob diese Störung nun als solche erkannt und gegebenenfalls abgewehrt wird oder nicht, ist wieder eine andere Frage – ebenso wie die, ob hierin ein Potential medialer Transfers gesehen und dieses nutzbar gemacht wird. So könnte es beispielsweise darum gehen, klandestine Strategien und Techniken der Übertragung zu entwickeln und zum Einsatz zu bringen.
Möglicherweise werden Irritationen aber auch begrüßt und vom System inkorporiert, um als Teil seiner selbst in ihm aufzugehen. So gesehen, könnte es sich als produktiver erweisen, wenn Überschreitungen – und die Differenzen, Brüche, Verschiebungen und Veränderungen, die sie in ein System eintragen – als solche kenntlich gemacht und wahrgenommen werden.

"Die Grenze und die Überschreitung verdanken einander die Dichte ihres Seins: eine Grenze, die nicht überschritten werden soll, wäre nicht existent; eine Überschreitung, die keine wirkliche Grenze überträte, wäre nur Einbildung."
[Michel Foucault, Vorrede zur Überschreitung]


Was bewirken Transfers von einem System in ein anderes System?
Welche Auswirkungen haben sie auf das System, auf das etwas übertragen wird?
Und wie wirken sie auf das System zurück, in dem sie ihren Ursprung haben oder zu haben scheinen?
Wann werden Transfers als Transgressionen wahrgenommen?
Worin liegen ihre Risiken und Nebenwirkungen? Und worin liegt ihr transformatives Potential?


interfiction XI (2004): trans:fictions wird sich anhand von (Medien-)Theorien und (medialen) Praxen der Übertragung, Übersetzung und der Überschreitung mit Utopien und Realitäten von Transfers zwischen verschiedenen Feldern kultureller Produktion (Künsten, Wissenschaften, Medien, Politik) beschäftigen.
Wir laden KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und VermittlerInnen, Medien- u. Netzkultur-TheoretikerInnen und -PraktikerInnen, die an einem transdisziplinären Austausch interessiert sind, dazu ein, im Rahmen einer Workshop-Tagung Thesen und Projekte zum Thema vorzustellen und zu diskutieren.

interfiction XI (2004): trans:fictions findet vom 12. - 14. November 2004 im Rahmen des Kasseler Dokumentarfilm- und Videofests (12. - 16. November 2003) statt.
Wie in den voraufgegangenen Jahren stehen am Eröffnungsabend der Tagung ab 20 Uhr publikumsöffentliche Vorträge und Präsentationen auf dem Programm, während der Workshop an den beiden darauffolgenden Tagen als geschlossene Veranstaltung mit Kurzvorträgen und Shortcuts zu laufenden und geplanten Projekten dem intensiven Austausch der eingeladenen TeilnehmerInnen vorbehalten bleibt.
Vorschläge für Beiträge können bis zum 30. Juni 2004 eingereicht werden (direkt per eMail an Verena Kuni; siehe auch unten unter Kontakt). In Einzelfällen können auch am Thema Interessierte, die keinen eigenen Beitrag beisteuern wollen, an der Tagung teilnehmen - da die TeilnehmerInnenzahl jedoch begrenzt ist, empfiehlt sich eine Kontaktaufnahme im Vorfeld.


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Seit Frühjahr 2000 hat interfiction eigene Netzseiten, auf denen sich alle bisherigen interfiction-Veranstaltungen dokumentiert finden
http://www.interfiction.org
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Kontakt und Information:

interfiction

c/o Verena Kuni M.A.
Schulstrasse 26
D-60594 Frankfurt/M.
T./F.: 0049-(0)69-616815
kuni@filmladen.de
oder
verena@kuni.org

Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest

Filmladen Kassel e.V.
z. Hd. Gerhard Wissner / Wieland Höhne
Goethestr. 31
D-34119 Kassel
T.: 0049-(0)561-70764-0
F.: 0049-(0)561-70764-41
dokfest@filmladen.de

 

Weitere Hintergrund- und Programminformationen zum
Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest
unter der offiziellen
Festivalhomepage des Filmladens Kassel e.V.
(Öffnet in einem eigenen Browser-Fenster!)


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