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PATCH_WORK
XIV. Fachtagung in der Reihe interfiction
im Rahmen des 24. Kasseler Dokumentarfilm und Videofests
Kassel, 16. 11. - 18. 11. 2007
Konzipiert von Verena Kuni
Organisation und Realisation in Zusammenarbeit mit
Karsten Asshauer und Anders Turge Lehr
sowie mit Gerhard Wissner und Wieland Höhne/Filmladen Kassel e.V.
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PATCH_WORK
Auf welchen Grundlagen arbeiten?
Kunst-, Kultur- und Wissensproduktion zwischen Commons und DRM
Mit den digitalen Medien und der elektronischen Vernetzung ist nicht nur die Utopie, sondern auch die reale Möglichkeit eines
Zugangs von bis dahin ungekannten Dimensionen zu Informationen verbunden - und dies schliesst auch den Zugang zu breiten
Beständen historischer wie zeitgenössischer Kunst- Kultur- und Wissensproduktion ein. Zugleich verdanken wir den digitalen
Medien einen regelrechten Schub an entsprechender Produktivität und Publikationstätigkeit.
In diesem Zuge haben insbesondere Techniken wie "Copy, Cut & Past" und "Sampling" - die es in ähnlicher Form durchaus
schon früher gab - an Bedeutung gewonnen. Doch während sie künstlerischen Bereich als kreative Verfahren in Anspruch
genommen werden, rufen sie andererseits massiven Widerstand seitens jener auf den Plan, die Urheberrechte beanspruchen
bzw. vertreten. Allerdings beschränkt sich dieser Widerstand keineswegs allein auf die Verfolgung ohnehin nicht immer
so eindeutig vorliegender Verstösse gegen bestehende Rechtsverhältnisse, deren Anpassung an die Konditionen einer
digitalen Kultur ebenfalls nach wie vor ein Desiderat darstellt. Vielmehr treten zusammen mit den Verwertungsgesellschaften
insbesondere Kultur- und Unterhaltungsindustrie sowie Verlagskonzerne für eine deutliche Verschärfung der entsprechenden
Gesetze an; parallel wird auf in der Soft- und Hardwareentwicklung unter Hochdruck daran gearbeitet, geeignete Limitierungen
bereits auf dieser Ebene zu implementieren.
Einmal angenommen, diese Bestrebungen wären in vollem Umfang erfolgreich - welche Konsequenzen hätte dies nicht nur für den
Zugang zu Kulturgut, sondern auch zu den Grundlagen und den Mitteln kultureller Produktion?
Spätestens an diesem Punkt, so steht zu befürchten, schlägt eines der maßgeblichen Potentiale der elektronischen Kultur
in sein Gegenteil um - wobei die Effekte sich keineswegs allein auf erstere beschränken. Wie also lässt sich einer solchen
Entwicklung entgegensteuern?
Mit einer Berufung auf bzw. der Einforderung von Kunstfreiheit beispielsweise ist es jedenfalls schon angesichts der aktuellen
Gemengelage nur in den seltensten Fällen getan. Und wenngleich tradierte Konzepte von Autorschaft, genuiner Schöpfung und
geistigem Eigentum nicht von ungefähr zum Gegenstand engagiert geführter Kontroversen geworden sind, liegt auf der Hand,
dass sie sich nicht so ohne weiteres verabschieden lassen. Dies zumal sich nach wie vor viele Kunst- und Kulturschaffende
selbst auf ihre Urheberrechte berufen und befürchten, ihre wie auch immer magere ökonomische Basis zu gefährden, wenn sie
ihre Produktionen unter alternativen Lizenzen publizieren.
Tatsächlich werfen letztere durchaus ebenfalls einige Probleme und ungeklärte Fragen auf; etwa die, wie eine angemessene
Vergütung zu erlangen ist. Und so manche, die einerseits im Bezug auf ihre Nutzung von Kulturgut grösstmöglicher Freiheiten
versichert wissen wollen, bestehen andererseits selbst auf Einschränkungen - und zwar nicht nur, wenn es um die kommerzielle
Verwertung, sondern auch, wenn es um künstlerische Aneignungen ihrer eigenen Arbeiten geht.
Wie wäre überhaupt allen Beteiligten gerecht zu werden? Wie müssten die Rechtsverhältnisse gestaltet werden, um einerseits
ideale Bedingungen sowohl für die Kunst- und Kulturproduktion als auch für den Zugang zu Kulturgut zu schaffen - diese
andererseits aber vor Zugriffen zu schützen, die ihren Interessen entgegenstehen?
Sind entsprechende Bemühungen am Ende schon deshalb obsolet, weil eine annähernd gleichmässige Berücksichtung einander
ausschliessender Bedürfnisse kaum möglich ist? Oder vielleicht eher deshalb, weil die politischen Entscheidungen auf dieser
Ebene unter weitgehendem Ausschluss von KünstlerInnen und Kulturschaffenden getroffen werden?
Müssten möglicherweise - noch bevor es um juristische Regelungen geht - eine Neubewertung des Status kultureller
Wertschöpfungsprozesse, kultureller Güter und insbesondere dessen stattfinden, was man unter kulturellem Gemeingut,
also den "Commons" versteht? Und welche Strategien lassen sich in diesem Zusammenhang seitens der Kunst bzw. mit
künstlerischen Mitteln entwickeln?
Dieser und weiteren Fragen rund um Utopien und Realitäten von Kunst-, Kultur- und Wissensproduktion zwischen Commons
und DRM will die diesjährige interfiction-Tagung mit Vorträgen, Präsentationen und Workshops nachgehen. An einem
transdisziplinären Austausch interessierte KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und VermittlerInnen, Video- und
FilmemacherInnen, Netzkultur-TheoretikerInnen und -PraktikerInnen sind eingeladen, Thesen und Projekte vorzustellen
und gemeinsam zu diskutieren.
Vorschläge für Beiträge in Form einer kurzen Skizze bzw. eines Abstracts (ca. 500-1500 Zeichen) bitte bis zum 30. Juni 2007 an:
Verena Kuni (verena@kuni.org)
Stichwort im Betreff: interfiction 07
Kurzversion CFP - als pdf-Version zum Herunterladen und Ausdrucken
Kurzversion CFP - direkter Link zur html-Version des CFP auf interfiction.org
Alle weiteren Informationen zur Tagungsorganisation und über interfiction allgemein
finden sich auf interfiction.org!
Bitte beachten:
Seit Frühjahr 2000 hat interfiction eigene Netzseiten, auf denen sich alle bisherigen interfiction-Veranstaltungen dokumentiert finden
http://www.interfiction.org
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Kontakt und Information:
|
interfiction c/o Verena Kuni M.A. Schulstrasse 26 D-60594 Frankfurt/M. T./F.: 0049-(0)69-616815 kuni@filmladen.de oder verena@kuni.org |
Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest Filmladen Kassel e.V. z. Hd. Gerhard Wissner / Wieland Höhne Goethestr. 31 D-34119 Kassel T.: 0049-(0)561-70764-0 F.: 0049-(0)561-70764-41 dokfest@filmladen.de
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Weitere Hintergrund- und Programminformationen zum
Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest unter der offiziellen
Festivalhomepage des Filmladens Kassel e.V.
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