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In den Meisterschaftserzählungen der Moderne spielt das Unsichtbare eine bedeutende Rolle: Nicht nur im Bezug auf Autorschaftsmodelle, die über den Umweg des "künstlerischen Mediumismus" (M. Duchamp) das klassische Inspirationstheorem der Geniereligion vordergründig unterlaufen, um es - "... höhere Wesen befahlen..." - unter letztlich nur leicht variierten Vorzeichen um so wirkmächtiger neu zu verankern. Sondern etwa auch in Bewegungen wie der Konzeptkunst, die - auf ihre Weise ebenfalls den Kunstbegriff der Renaissance beerbend - die Idee ins Zentrum rücken und auf diese Weise - mindestens theoretisch - zu einer "Dematerialisierung des Objektes" (L. Lippard) führen. Wo diese wiederum in der Kunst mit elektronischen Medien neuerliche Urstände feiert, geht sie zugleich mit einer (Re-)Auratisierung des "immateriellen Werkes" und der "immateriellen Arbeit" einher.
Mit dieser Art der "Unsichtbarkeit" scheint das, was Donna Haraway in ihrem Manifesto for Cyborgs als "Hausarbeitsökonomie" bezeichnet, zunächst einmal denkbar wenig zu tun zu haben: Jene von den neuen Technologien wesentlich mit vorangetriebene, "weitreichende Umstrukturierung der Arbeitsverhältnisse, in der diese in einem umfassenden Sinn die Charakteristika der vormals tatsächlich nur von Frauen ausgeübten Tätigkeiten annehmen. Im wahrsten Sinne des Wortes wird Arbeit als weiblich oder feminisiert neu definiert, egal ob sie von Männern oder Frauen verrichtet wird." Doch ist durchaus interessant, was diese "feminisierte" Arbeit kennzeichnet: Neben der vielbeschworenen Flexibilität, Feinmotorik und sozialen Intelligenz, die sie den ArbeiterInnen abverlangt, hat sie insbesondere eins mit der klassischen Hausfrauentätigkeit gemein - nämlich, dass sie weitgehend unsichtbar bleibt.
Dieser Prozess aber führt in traditionellen westlichen Wohlstandsgesellschaften, die bislang von einer breiten Mittelschicht dominiert wurden, zu einer bezeichnenden Verschiebung: Gerade dort, wo es über die mit einer "Verweiblichung" der Arbeit einhergehende, drohende Entwertung des (männlichen, weissen) Subjekts hinwegzutäuschen gilt, fallen nämlich kompensatorische Charismatisierungen der "unsichtbaren" Arbeit auf, für die nur allzu offenkundig auf Paradigmen zurückgegriffen wird, die ursprünglich vornehmlich im kulturellen Sektor verortet waren - wie etwa der kreative Imperativ, die Auratisierung des Medialen und schließlich auch des innovativ-schöpferischen Individuums. Eine Übertragungsleistung, die im übrigen auch umgekehrt funktioniert: Wenn KünstlerInnen seit je schon UnternehmerInnen in eigener Sache gelten, werden sie unter den Vorzeichen der sogenannten Neuen Ökonomie mittlerweile sogar als ProtagonistInnen einer zukünftigen Marktwirktschaft gehandelt - insofern sie etwa nachgerade "modellhaft" vorzuführen scheinen, wie Arbeit im Zeitalter dieser Neuen Ökonomie auszusehen hat: Ein Maximum an kreativer Leistung, Selbstorganisation und Flexibilität bei einem Minimum an ökonomischen Sicherheiten - Kultivierung des "schönen Scheins", Selbstdarstellung und Rollenspiel als Profession.
Vor diesem Hintergrund gilt es nicht nur nach möglichen Beziehungen zu fragen, die sich zwischen dem "unsichtbare Meisterwerk" als einem zentralen Paradigma der Moderne und der "Immateriellen Arbeit" umherschweifender (Kultur-)ProduzentInnen herstellen lassen, sondern auch nach der spezifischen Rolle, welche einerseits die sogenannten 'neuen' Medien und andererseits die Kategorie Geschlecht in diesem Zusammenhang spielen.
Ausgehend von exemplarischen Lektüren (* s.u.) sollen anhand ausgewählter Beispiele aus der historischen und zeitgenössischen Kunstpraxis verschiedene Modelle künstlerischer bzw. kultureller Produktion untersucht, die mit ihnen verknüpften Subjektvorstellungen und Ökonomien diskutiert und auf ihre jeweiligen geschlechtlichen Kodierungen hin befragt werden.
* zur literaturliste : unsichtbare meisterwerke?
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