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Die Geister, die ich rief… Digitaler Spuk, als schöne Kunst betrachtet – Potenziale und Probleme einer Schnittstelle von Kunst und Okkultismus im World Wide Web

Vortrag | Lecture
Workshop-Tagung | Workshop-Conference "Kunst und Okkultismus nach 1945"
Universität Siegen & IGPP Freiburg, DFG-­Verbundprojekt "Innovation durch 'nichthegemoniale' Wissensproduktion: 'Okkulte' Phänomene zwischen Mediengeschichte, Kulturtransfer und Wissenschaft 1770–1970", Siegen, 07.-09. Mai 2015 | May 7-9, 2015

Digitaler Spuk, so mag es zunächst scheinen, ist als mediales immer auch ein ästhetisches Phänomen – und als solches schon per se von Interesse für eine Kunst, die ihre Medien reflektiert. Dass im Artefakt – das sich den Namen mit der kunstfertigen Schöpfung teilt – der "Geist (in) der Maschine" aufbegehrt und sein Eigenleben führt, ist nur eine von vielen Metaphern, die zu übersetzen suchen, was (in) einer rein technischen Beschreibung verborgen bleibt.

Denn nicht nur in technologischer Hinsicht handelt es sich hier um Intermissionen der Transmissionen: Um Unterbrechungen und Störungen, die andere Kanäle der Übertragung beziehungsweise Kanäle für andere Übertragungen öffnen. Sie zeigen sich dort, wo (noch) kein Bild oder kein Bild mehr ist, wo ein weißen Rauschen oder Distorsionen der Zeichen die Imagination zu Deutungen einladen – mitunter aber auch dort, wo sich über Prozesse der Kommunikation Lektüren dynamisch verschieben.
Letzteres wiederum kann darauf verweisen, dass es nicht allein die – im eigentlichen Wortsinn – aisthetischen Überschüsse der Informations- und Kommunikationstechnologie zu betrachten gilt. Vielmehr sind diese erst sekundär Agens, primär jedoch Symptom jener prinzipiellen Durchlässigkeit, die sich nicht von Ungefähr bereits im Begriff des Mediums abbildet und in der sein eigentliches Potenzial sowohl für die Kunst wie für den Okkultismus liegt – auf der Ebene der Produktion wie jener der Rezeption sowie im Spannungsfeld, das sich hier wie dort zwischen Produktion und Rezeption entfaltet.

Indessen gibt es natürlich fundamentale Unterschiede in den Zugängen, die insbesondere dort relevant werden, wo sich Kunst für "haunted media" bzw. eine Hantologie der Medien und/oder im engeren Sinne für mediale Praktiken des Okkultismus interessiert.
Nun möchte man gerne annehmen, dass eine entsprechende Klarheit hinsichtlich der Orientierungen auf beiden Seiten, also jener der Produktion und jener der Rezeption, vergleichsweise leicht zu erlangen und zu sichern ist: Sind doch in den und über die jeweiligen kulturellen Sphären der Handlungs- wie auch der Betrachtungsrahmen in der Regel definiert. Aber gilt dies auch für den Deutungsrahmen? Sind die Grenzen wirklich immer so klar zu ziehen?

Selbst mit Blick auf jene digitale Kunst, die mit dem Internet bzw. dem World Wide Web eine alltagsmediale Rezeptionsumgebung wählt, mag man zunächst geneigt sein, diese Frage mit "Ja" zu beantworten. Allerdings setzt Eindeutigkeit, und sei es nur im Sinne einer hinreichenden Klarheit über den Spielraum des Interpretationsrahmens, nicht nur eine kundige Lektüre der bzw. ein Wissen um die jeweils relevanten Kontextsysteme voraus, sondern auch, dass für die Einordnung entsprechende Anhaltspunkte gegeben sind. Gerade bei webbasierter Kunst ist dies jedoch keineswegs immer der Fall. Vielmehr setzen nicht wenige Projekte bewusst auf eine Uneindeutigkeit der Adresse, um die spezifischen Potenziale des World Wide Web als einer zugleich technologisch und sozial konfigurierten Umgebung zu nutzen – was gerade auch für künstlerische Hantologie der Medien vielversprechend erscheinen kann, die über eine Auseinandersetzung mit ihren okkulten Enden führt.

Doch was meint das eigentlich genau? Wie verhalten sich künstlerische und populäre (Bild-)Diskurse des Okkulten im Netz zueinander und welche Rolle spielt dies für die Lektüren der künstlerischen Projekte? Können diese von Störungen der Kommunikation und Transformationen der Kanäle ebenso wie von Verschiebungen, Öffnungen, Auflösungen der Grenzen nur profitieren oder setzen sie sich auch Risiken aus, die in den tradierten Rezeptionskontexten zeitgenössischer Kunst so nicht zu gewärtigen wären? Wie ist aus kunst-, kultur- und medienwissenschaftlicher Sicht mit solchen Risiken respektive den Effekten umzugehen, die diese zeitigen können?

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