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Prof. Dr. Verena Kuni  M. A.

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Trophäen der Wissenschaft. Das Naturkundemuseum als Jagdzimmer

Vortrag | Lecture
Tagung "Das Jagdzimmer", Mariann Steegmann Institut & Universität Bremen, Nov 4-5, 2022 | 04.-05.11.2022

Naturkundemuseen stehen – kaum anders als viele andere Museen – in der Tradition der Kunst- und Wunderkammern; und dies bedeutet nicht zuletzt, dass sich gute Teile ihrer Bestände kolonialen Raubzügen und Jagden verdanken. Dass es sich, wenigstens wenn man die Gemengelage aus einer kritisch informierten Perspektive betrachtet, bei vielen Objekten um Trophäen handelt, können im Grunde schon einige der traditionellen Displays verraten. Während die einen scheinbar natürliche Situationen und Konstellationen simulieren, und mithin entsprechende Blickregimes bedienen, weisen andere direkte Verwandtschaften zu Arrangements und Szenarien auf, die aus einschlägigen Kontexten stammen und kaum allein mit Notwendigkeiten der Präparation zu begründen sind.

Welche Schlüsse lassen hieraus ziehen? Scheinen hier herrschaftliche Phantasmen der Wissenschaft(sgeschichte) auf, die diese heute im Sinne einer Zukunftsfähigkeit des naturkundlichen Museums dringend bearbeiten muss? Wenn ja: wie ist dabei vorzugehen? Sollten problematische Objekte und Konstellationen aus den Präsentationen verschwinden? Oder verbietet sich dies schon deshalb, weil dies jenseits einer informierten kritischen Museologie und insbesondere auf jener auf eine breitere Öffentlichkeit abzielenden Ebene, die im Sinne des oftmals prominent ins Feld geführten Bildungsauftrags durchaus zentral ist, ein gezieltes Unsichtbarmachen problematischer Bestände Geschichtsvergessenheit riskieren würde?

Doch (wie) kann es umgekehrt funktionieren, Narrationen und Szenografien zu entwickeln, die tradierte Modi der Zurichtung und Zurschaustellung zeigen, gerade um nicht über sie zu schweigen – die sich aber zugleich einer unkritischen Schaulust ebenso verweigern wie einer Fortführung des Narrativs einer allein dem Erkenntnisgewinn verpflichteten, objektiven Naturwissenschaft? Welche Optionen bieten die Erfahrungen mit unterschiedlichen alternativen Präsentationsformen und Inszenierungen, die in den vergangenen Jahren von unterschiedlichen Museumstypen, insbesondere solchen mit ethnographischer Widmung, aber durchaus auch schon von solchen mit naturwissenschaft(sgeschicht)licher Widmung erprobt worden sind? Und was bedeutet es vor diesem Hintergrund eigentlich, wenn im Zuge von Renovierungen und Neukonzeptionierungen naturkundlicher Museen neue Displays entstehen, die ungeachtet reformierter Konzeptionen, kritischer Reflexionen und Interventionen, die in teils sogar in denselben Häusern statthaben und ebenso sichtbar sind, erneut auf tradierte Formationen setzen?
Diesen Fragen will der Beitrag an konkreten Beispielen aus Naturkundemuseen nachgehen.

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